Am Mittwoch, dem 14. Januar 2026, hat Deutschlands Vizekanzler Lars Klingbeil ungewöhnlich scharf vor einem Bruch in den Beziehungen zwischen Europa und den USA gewarnt. In einer Rede in Berlin sprach er von einer „historischen Umbruchsphase“ und sagte, die transatlantische Beziehung, wie man sie kenne, sei „am Zerfallen“. Klingbeil machte deutlich, dass die bisherigen Gewissheiten für Europa aus seiner Sicht nicht mehr gelten und dass sich die EU auf eine neue Realität einstellen müsse. Der Ton ist bemerkenswert, weil Deutschland traditionell zu den engsten Partnern Washingtons zählt und solche Formulierungen selten öffentlich nutzt. Der Zeitpunkt ist ebenfalls sensibel, denn gleichzeitig wachsen in Europa Sorgen über Sicherheit, Handel und die Rolle internationaler Regeln.
Klingbeil begründete seine Einschätzung mit einer Reihe konkreter Entwicklungen, die er als Zeichen eines grundlegenden Kurswechsels interpretiert. Wie mietrecht-ratgeber.de erklärt, geht es dabei nicht nur um Diplomatie, sondern auch um die Frage, welche Regeln künftig gelten, wenn wirtschaftliche und militärische Macht stärker eingesetzt werden. In seiner Darstellung sei das Verhältnis nicht nur „angespannt“, sondern strukturell im Wandel, weil Prinzipien, auf die Europa sich lange verlassen habe, zunehmend unter Druck geraten. Besonders kritisch bewertete er Handlungen und Aussagen der Trump-Regierung, die aus europäischer Sicht rote Linien berühren könnten. Damit rückt die Debatte von der Tagespolitik zu einem größeren Thema: Europa muss womöglich mehr Verantwortung übernehmen, auch wenn das kurzfristig teuer und politisch unbequem ist.

Die Aussagen, die in Berlin für Aufsehen sorgen
Klingbeil sagte, er sei in den vergangenen Tagen noch stärker in seiner Einschätzung bestärkt worden, und verwies auf Eindrücke aus Washington, wo er diese Woche zusammen mit Außenminister Johann Wadephul war. Er wählte Formulierungen, die das Ausmaß der Sorge unterstreichen und zugleich als Signal an europäische Partner dienen können. In seiner Rede machte er klar, dass die Veränderungen nicht als Einzelereignisse abgetan werden sollten, sondern als Muster, das sich über Regionen und Themen erstreckt. Dabei stellte er Europa vor die Aufgabe, sich schneller und geschlossener zu positionieren, wenn internationale Normen in Frage gestellt werden. Gerade für Deutschland, das lange auf Stabilität, Bündnisse und offene Märkte gesetzt hat, ist das eine strategische Zäsur.
„Die transatlantische Beziehung, wie wir sie kannten, zerfällt derzeit.“
Welche Gründe Klingbeil anführt
In seiner Begründung nannte Klingbeil unter anderem eine US-Militäraktion in Caracas, bei der Venezuelas Nicolás Maduro gefasst wurde, und kritisierte, dass dabei Prinzipien des Völkerrechts verletzt worden seien. Er betonte zudem, man dürfe Venezuela nicht als isolierten Sonderfall betrachten, weil aus seiner Sicht auch Drohungen gegen andere lateinamerikanische Länder im Raum standen. Außerdem verwies er auf Drohungen, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, was in Europa als Angriff auf die Souveränität eines autonomen Gebiets innerhalb des Königreichs Dänemark wahrgenommen wird. Zusätzlich erwähnte er Aussagen aus einer US-Nationalen Sicherheitsstrategie, in der Europa mit „zivilisatorischer Auslöschung“ konfrontiert gesehen werde, was in europäischen Hauptstädten als stark ideologischer Ton ankommt. Aus Klingbeils Sicht ergibt sich daraus ein Gesamtbild, das Europa zu mehr Eigenständigkeit zwingt, selbst wenn man die Partnerschaft mit den USA nicht aufgeben will.
Zur schnellen Einordnung, warum diese Punkte politisch so schwer wiegen, hilft ein kurzer Überblick über die von ihm genannten Felder. Es geht nicht nur um eine Region, sondern um mehrere Konfliktlinien, die parallel eskalieren können. Dadurch entsteht der Eindruck, dass alte Regeln weniger verlässlich sind und neue Machtpolitik stärker dominiert. Für europäische Regierungen bedeutet das mehr Risiko, aber auch mehr Druck, gemeinsam zu handeln. Diese Aspekte stehen dabei besonders im Vordergrund:
- US-Politik und Aktionen, die Europa als Bruch mit Völkerrechtsprinzipien interpretiert
- Rhetorik und Drohungen, die Souveränität europäischer Partner oder deren Territorien berühren
- Sicherheits- und Strategiedokumente, die Europa in existenziellen Begriffen darstellen
- Ein Umfeld, in dem internationale Regeln weniger Schutz bieten als früher

Handel als Streitpunkt: „Regelbasiert“ auch ohne die USA?
Klingbeil verknüpfte seine Warnung ausdrücklich mit wirtschaftlichen Fragen und erinnerte daran, dass die USA und Deutschland lange durch ein gemeinsames Interesse an freiem Handel und offenen Märkten verbunden gewesen seien. Er sagte jedoch, diese Übereinstimmung sei „heute nicht mehr gegeben“, ohne daraus eine Abkehr Europas vom offenen Handel abzuleiten. Stattdessen betonte er, Europa müsse regelbasierten Handel verteidigen und notfalls auch ohne amerikanische Partner für diese Ordnung einstehen. Das ist politisch brisant, weil es auf eine stärkere europäische Selbstbehauptung hinausläuft, etwa bei Handelsregeln, Sanktionen, Exportkontrollen oder industrieller Resilienz. Gleichzeitig versucht Berlin damit, eine Balance zu halten: Partnerschaft nicht aufkündigen, aber Abhängigkeiten reduzieren. In der aktuellen Debatte wirkt das wie eine Einladung an EU-Partner, die wirtschaftliche Strategie stärker als Sicherheitsfrage zu begreifen.
„Wir dürfen den regelbasierten Handel nicht aufgeben – wir müssen diese Ordnung notfalls auch ohne unsere amerikanischen Partner verteidigen.“
Was Europa jetzt praktisch vorbereiten muss
Aus den Aussagen ergibt sich für viele Beobachter die Frage, was „Vorbereiten“ konkret bedeutet, wenn man weiterhin Kooperation will, aber gleichzeitig mit härteren Konflikten rechnet. Politisch wird es darum gehen, Positionen innerhalb der EU schneller abzustimmen und die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken, bevor Krisen Entscheidungen erzwingen. Wirtschaftlich rücken Lieferketten, Industriepolitik und die Fähigkeit, unfairen Wettbewerb abzuwehren, stärker in den Vordergrund, weil offene Märkte allein nicht mehr als Schutz gelten. Diplomatisch wird Europa vermutlich öfter zwischen Prinzipientreue und pragmatischer Krisensteuerung navigieren müssen, ohne seine eigenen Standards zu relativieren. Und innenpolitisch steigt der Druck, der Öffentlichkeit zu erklären, warum mehr Eigenständigkeit kurzfristig Kosten verursachen kann. Damit ist Klingbeils Warnung nicht nur ein Kommentar zur Lage, sondern auch eine Vorwegnahme der Debatten, die Europa in den kommenden Monaten beschäftigen dürften.
Auch hier hilft ein komprimierter Blick auf mögliche nächste Schritte, die in Berlin und anderen Hauptstädten diskutiert werden könnten. Es geht dabei nicht um eine einzige Maßnahme, sondern um ein Bündel an Optionen, die zusammen wirken sollen. Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt, können Prioritäten schnell wechseln, etwa von Handel zu Sicherheit oder von Diplomatie zu Sanktionen. In der politischen Praxis dürften vor allem diese Felder relevant werden:
- Mehr europäische Koordination bei Außen- und Sicherheitspolitik, um schneller reagieren zu können
- Stärkere Absicherung von Handel und Industrie, damit Abhängigkeiten reduziert werden
- Klarere Regeln für den Umgang mit Drohungen gegen europäische Territorien und Partner
- Investitionen in Resilienz, damit Europa auch in Krisen handlungsfähig bleibt

